DER GEOMETER

Noch ein Wort zu der wichtigen Figur des Geometers: Der Geometer hat in Italien in etwa die Funktion zwischen Baumeister, Bauingenieur und Architekt. Er ist ausserdem der Kontaktmann zu Bauämtem, Behörden und Gemeinden, mit der ausdrücklichen Erlaubnis, Gebäude bis zu einer bestimmten Größenordnung zu erstellen bzw. zu restaurieren. Und zwar ohne die Mitwirkung eines Architekten. Der Geometer ist sozusagen „Mädchen für alles". Er macht die Zeichnungen für den Ist-Bestand, entwirft zusammen mit dem Bauherm die Planung für den Umbau, kümmert sich um Baufirmen, Handwerker und Zulieferer, besorgt den gesamten Papierkram samt Baugenehmigungen, Ummeldung von Strom und Wasser, und erledigt alle lästigen Laufarbeiten.

Er kennt alle wichtigen Leute in den Entscheidungsgremien und alle Tricks, wie man Vorschriften „auf italienisch" erfüllt. Eine Kellersauna ist dann eben notfalls eine "Holzlege", eine Komfortküche ein „Wirtschaftsraum" und eine Dachterrasse wird hinter einem falschen Vordach versteckt. Er macht die zur Genehmigung eingereichten Pläne so einfach wie möglich und weiss, dass später kein Hahn danach kräht, wenn man während des Baus das Ganze „etwas modifiziert", denn eine Bauabnahme im deutschen Sinne gibt es hierzulande (noch) nicht - es sei denn man besteht darauf. Aber das kostet.

Er weiß auch rechtzeitig, wann das nächste "condonno", die geheimgehaltene staatliche Amnestie für nichtgenehmigte Bauten oder Anbauten sein wird und wie man Handwerker-Rechnungen so schreibt, daß sich der Aufwand für Mehrwertsteuer in erträglichen Grenzen hält. Er führt die Bauaufsicht und ist für alles, was auf der Baustelle geschieht, verantwortlich. Sowohl dem Bauherm gegenüber als auch den Baufirmen und Arbeitern gegenüber. In seinen Händen liegt auch der gesamte Zahlungsverkehr. Natürlich richtet sich ein italienischer Geometer nach italienischen Normen und Usancen. Lässt man ihn das machen, was er gelernt hat und für richtig hält, wird man ein "typisch italienisches" Haus bekommen, unterteilt in eine „zona notte", also einen "Schlafteil", und eine „zona giorno", also einen Wohnteil. Das Ganze mit vielen kleinen Schlafräumen und einem Bad gleich hinter der Küche zur schönen Aussicht. Man muss ihm schon sehr präzise und detailliert sagen, was man will, und wie man sich das Ganze vorstellt. Kurz: den kreativen Teil sollten Sie selbst beisteuern und ihm den technischen überlassen. Sein Honorar können sie in den meisten Fällen pauschal und frei mit ihm vereinbaren. Theoretisch hat er das Recht bis zu 14 Prozent der Bausumme zu verlangen. Tut er aber nicht...

Wir arbeiten mit einer Reihe von erprobten und sehr zuverlässigen dynamischen jungen Geometern zusammen, die inzwischen reichlich Erfahrung mit deutschen Kunden sammeln konnten. Übrigens sind viele unserer Kunden selber Architekten. Sie konnten unseren Mitarbeitern die deutschen Usancen und Normen beibringen, während sie selbst von denen den Umgang mit dem "typisch Italienischen" lernten. Und beide Parteien haben davon profitiert.

Unsere Geometer erstellen Ihnen auf Wunsch und nach Ihren Plänen garantierte Schlüsselfertig-Angebote. Sie sind inzwischen so vertraut mit deutschen Anforderungen, daß Sie getrost entspannen können, während Ihr Umbau in Italien entsteht - auch wenn Sie nicht an jedem Wochenende herkommen können.

Hier folgt eine typische Anfrage einer besorgten Kundin und unsere Antwort

Frage:"...noch eine Sache liegt uns am Herzen. Gegen Renovierungen haben wir gar nichts, nur Objekte, bei denen es noch langwieriger Baugenehmigungsverhandlungen bedarf, kommen nicht in Frage. Wir haben da so unserere Erfahrungen mit italienischen Behörden. Bedarf es zum Beispiel einer Baugenehmigung, wenn man die Rustici wieder freilegt und den Putz abschlägt? Oder Fenster vergrößerungen etc. Wie sind Ihre Erfahrungen mit Wartezeiten? Haben Sie einen Geometer der dies alles regelt?"
 

ANTWORT:
Mit Baugenehmigungen und Behördenkram haben unsere Kunden nichts zu tun, wenn sie es nicht ausdrücklich wünschen. Wir haben für jeden Bezirk einen speziellen Geometer, der gut mit den jeweiligen Behörden zurechtkommt und vor allem auch die Mentalität unserer ausländischen Kunden und deren Wünsche versteht.
Die Region Marche ist - im Gegensatz zum Beispiel zur Toscana oder zur Gegend um den Gardasee -nicht pingelig mit Genehmigungen. Ausserdem: Es gibt die sogenannte DIA, die "dichiarazione inizio attività". Das ist ein abgekürztes Genehmigungsverfahren, bei dem der Geometer lediglich erklärt, daß er nach Ablauf von drei Wochen mit den Arbeiten beginnen wird. Im Rahmen dieser DIA kann am Haus alles- ausser strukturellen Arbeiten -gemacht werden. Auch das Dach kann erneuert werden. Der Geomter übernimmt der Behörde gegenüber die Verantwortung.
Fenster vergrössern, neue Türen nach aussen öffnen - hier ist das kein Problem. Beim Putzabschlagen kommt es darauf an, ob ein Haus im alten Ortskern, an der Peripherie eines Ortes oder draussen auf dem Lande steht. Auf dem Lande kann man machen was man will. Lediglich beim Anstrich gibt es Normen. Im Weichbild eines Orts gibt es von Gemeinde zu Gemeinde abweichende Bestimmungen, die natürlich nur dann greifen, wenn man die entsprechenden Fragen stellt. Und wer tut das schon?
Es gibt jedoch zwei gravierende Beschränkungen: 1. Ein äusserlich sichtbarer Umbau muss in der Charakteristik der Region durchgeführt werden (tipologia marchegiana). Was man innen macht, geht natürlich niemanden etwas an.
2. Es darf lediglich im Rahmen der bestehenden Kubatur gebaut werden. Volumenvergrösserungen sind grundsätzlich nicht gestattet. Aber auch hier gibt es natürlich Tricks: Eine Pergola oder ein Portico gelten nicht als "Volumen". Und wenn man so etwas später schliesst...
Aber wie gesagt: Für all diese Dinge haben wir unsere Geometer, die bei uns gelernt haben, den Kunden nicht mit Problemen zu kommen (um hinterher zu beweisen, wie tüchtig sie sind), sondern von vornherein mit Lösungen.

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